Selbstwirksamkeit erhöhen?

Bildquelle: oddsock: „crop circle – echoes“ (Attribution License)

Wenn wir von kokreativer Kommunikation sprechen, denken wir konsequenterweise an die gemeinsame Kreativität von Gruppen. So erscheinen die Erfahrungen paradox, die manche mit den kokreativen KulturTreffen KKT gemacht haben: Sie haben in ihrem kulturellen wie beruflichen Leben ihre individuelle Selbstwirksamkeit erhöht. So ist eine Teilnehmerin direkt am Tag nach dem 1. KKT ihrem inneren Impuls gefolgt und hat zu einer wöchentlichen Friedensmeditation online eingeladen. Mit überraschend schnellem und großem Erfolg: Es haben sich über 60 TeilnehmerInnen in kurzer Zeit aus fünf Ländern dazu angemeldet.

Eine andere Teilnehmerin berichtete beim 3. KKT, dass sie nach dem 2. KKT auf einer beruflichen Fortbildung, die sehr zäh und für alle Beteiligten unbefriedigend verlief, spontan einen längeren positiven Beitrag gegeben hat, der Bewegung in die negativ festgefahrene Situation brachte. Daraufhin hat sie gleich ein reizvolles neues Jobangebot bekommen.

Kokreative Bottom-up-Prozesse

Kokreative Kommunikation regt positiv an – ganz besonders zunächst die individuelle Kreativität. Diese kann sich in den Lebenszusammenhängen des betroffenen Individuums entfalten. Dort kann seine Kreativität wieder andere Mitmenschen anregen. Und so weiter. Je klarer die konstruktive aufbauende Kommunikation ist, desto mehr Resonanz kann sie finden und umso kokreativer und weiter kann sie womöglich in die Kultur hinein wirken. So kann das KKT mit individuellen und Kleingruppen-Prozessen auf das Makro-/Übersystem Kultur wirken – und zwar Bottom-up: von unten nach oben, im Kleinen auf das Große.

Aus systemischer Sicht

In einer systemischen Sicht erscheint dieser Vorgang so: In der interindividuellen Kommunikation – also zwischen zwei oder mehreren Menschen – erhält ein Individuum Informationen. Es verarbeitet diese Informationen in seiner Art und Weise – möglichst aufbauend. Das (Zwischen-)Ergebnis seiner Informationsverarbeitung kommuniziert es wieder mit ggf. anderen Individuen. Wenn diese damit in Resonanz gehen und ihrerseits die Informationen in konstruktiv adaptierter Weise (= kokreativ) weitergeben, kann das zur kokreativen Gestaltung des Übersystems führen.

Dabei kommt die Frage auf: Wann sind Informationen und ihre Verarbeitung konstruktiv?

Diese Frage nach dem Aufbauenden erfordert eine Bewertung der Kommunikation. Diese Bewertung wird subjektiv vorgenommen, sowohl aus der Sicht des Individuums als auch aus der Sicht des Übersystems (= Metasubjekt). Maßgeblich für Kokreativität sind somit Subjekte: also Du und ich – in Abstimmung mit anderen wie auch Metasubjekten – letztlich alle Betroffenen (vgl. Petzold & Henke: Motivation. 2023; S. 148f, 190).

Grafik aus: Petzold TD (2022) Schöpferisch kommunizieren. Aufbruch in eine neue Dimension des Denkens. Abb. 2. S. 34. Verlag Gesunde Entwicklung: www.geen.de

Bei der Frage nach dem guten Leben geht es nicht darum, eine klare Definition oder gar Norm zu finden. Das gute Leben ist eine attraktive Leitidee, ein inneres Idealbild, das sich verändern kann. Auf der einen Seite ist das Streben nach einem guten Leben schon Jahrtausende alt. Auf der anderen Seite tauchen die Begriffe in den letzten Jahren in Gesprächen und in Medien immer häufiger auf. Was bedeutet für dich ein gutes Leben? Was bedeutet mir ein gutes Leben? Was bedeutet ein gutes Leben für alle Menschen in der Biosphäre?

Das Ziel und der Weg sind eins

Ein gutes Leben ist ein Ideal vom Leben und gleichzeitig jeder Schritt auf dem Weg zu diesem Ideal. Das Ziel ist der Weg und der Weg ist das Ziel – diese alte Weisheit passt hier besonders gut. Jeder Schritt in Richtung des Ideals ist schon ein Stück gutes Leben – selbst wenn er einmal schmerzhaft sein sollte. Dann haben wir einen Anlass zum Lernen für unser gutes Leben. Die Motivation zum guten Leben für Alle in der Biosphäre verbindet uns intentional mit allen Menschen und der Biosphäre und fordert uns gleichzeitig ganz individuell heraus, nachzuspüren und nachzudenken, was ein gutes Leben in jedem Moment für ihn bedeutet.

Was ist dir bedeutsam? Was sind deine Bedürfnisse und Anliegen? Immer wieder dieser Frage nachzugehen und die Anliegen an passender Stelle Izu kommunizieren, ermöglicht mehr gemeinsames Lernen sowie ein bewusster gemeinsames gutes Leben.

Dabei gibt es nicht den einen richtigen Weg. Im Gegenteil: Es gibt so viele Annäherungsschritte, wie es Menschen gibt. Es gibt keine Norm vom guten Leben. Jede scheinbare Abweichung vom Weg des guten Lebens kann aus einer anderen Perspektive als ein Lernvorgang auf ebendiesem Weg gesehen werden – individuell, als Gemeinschaft, Kultur oder Menschheit.

Gutes Leben bedeutet, es mitzugestalten

Theodor W. Adorno hat in seiner Minima Moralia geschrieben: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Dem möchte ich widersprechen. Wir können und dürfen nicht auf angenehme äußere Bedingungen warten, auf ‚gutes Wetter‘. Auch, wenn Politikerinnen Krieg führen und uns dazu einspannen wollen, gibt es Schritte zur Annäherung an ein friedliches gutes Leben. Wir behalten die Verantwortung für unser gutes Leben auch „im falschen“ – selbst, wenn das Leben dann nicht derart gut möglich erscheint, wie wir es uns vorgestellt haben. Selbst bei Unterdrückung, Zwang, Ausbeutung und Verleumdung: Wenn unser Leben im Außen viel mit Verteidigung gegen Bedrohungen befasst ist, können wir das gute Leben doch im Inneren und Kleinen kultivieren. Dann bezieht sich das Mitgestalten des guten Lebens zunächst auf scheinbar kleine Dinge. Diese können auf längere Sicht auch größere Systeme verändern.

Jeder kann von jedem lernen

Wenn wir ein „gutes Leben für Alle“ anstreben, beinhaltet dies, dass wir uns mit anderen Menschen darüber austauschen, was ihnen ein gutes Leben bedeutet. Davon können wir Aspekte des guten Lebens lernen, die uns zuvor nicht präsent waren. Möglicherweise kann ein solcher Austausch Menschen helfen, immer neue Aspekte kennen zu lernen und alte, überholt geglaubte Aspekte neu zu integrieren. Das könnte zum Beispiel für ein einfaches Leben mit der Natur der Fall sein. Denn unsere lebendige Intelligenz und Motivation ist ursprünglich auf Kohärenz mit der Natur aus – als Menschheit mit der Biosphäre. Das ist die Grundlage der Evolution der Lebewesen und heute für uns Menschen eine ganz aktuelle und bewusste Erfordernis. Dabei kann womöglich ein Lernen von Umgangsweisen von Naturvölkern mit ihrer Umwelt hilfreich sein.

Ein gutes Leben gelingt kommunikativ kokreativ

Um ein stimmiges Leben zu leben, gestalten wir jeden Tag neu gut für uns und unsere Mitwelt – zusammen mit unseren Mitmenschen und der Natur und in Abstimmung mit diesen. Ein gutes Leben für Alle in der Biosphäre ist ein ständiger kommunikativer Abstimmungsvorgang zwischen den Menschen und mit der Natur. Für dieses Kokreieren spielt die passende, authentische Kommunikation unserer Anliegen eine wichtige Rolle (s. a. Kokreative KulturTreffen KKT). In dieser Kommunikation kommen implizite, intuitive und rationale, abgeleitete Anliegen und Gedanken zusammen. So entfaltet sich das gute Leben kokreativ in Übereinstimmung mit der Umwelt als ein evolutionärer Prozess (s. Kap. 4 u. 5 im Buch „Motivation. Grundlegendes für ein gelingendes Leben“.

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Wahrscheinlich kennt das jeder*: In einem Team oder auch bei privaten Treffen wird andauernd über negative Erfahrungen und Umstände gesprochen. Diese sind heutzutage im krisenhaften Übergang überall gegenwärtig. Je nach Fachrichtung oder Interesse betrifft es mehr die Umwelt, die stressenden Bedingungen in der Schule, die Bürokratie und die Profitorientierung im Gesundheitswesen, die Kriege und Berichterstattungen in den Massenmedien oder sonst etwas. In Expertenteams werden dann gerne mögliche Ursachen analysiert, um die vermeintlichen Ursachen des Übels auszumerzen … wie das Wirtschaftssystem, die Religion, den Materialismus oder die menschliche Unvollkommenheit. Bei konsequenter Ursachenforschung würde man letztlich beim Urknall oder einem Schöpfungsfehler Gottes landen.

Das Ergebnis solcher Gespräche ist auf der einen Seite: Wir sind uns in der Beurteilung der katastrophalen Lage ziemlich einig. Das ist ganz angenehm, weil man sich nicht mehr so alleine fühlt. Allerdings geht es bei der Ursachenbenennung oft auseinander, vermutlich weil unter Expertinnen jeder der rechthabende Richter bzw. beste Retter sein möchte und einen anderen geistigen oder ideologischen Hintergrund hat. Auf der anderen Seite vertieft sich ein Gefühl von Ohnmacht – auch kollektiv: Wir sind alle machtlose Opfer. Es gibt – gefühlt – keine Möglichkeit, etwas wirklich zu verändern. Ausweglosigkeit, Machlosigkeit und Hoffnungslosigkeit machen sich breit.

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Die innere Wende zu einer neuen Frage

Wenn man diese negativen Kommunikationsmuster oft genug erfahren hat und sein Mitgestaltungspotential und auch das der Gruppe entfalten möchte, gibt es mehrere Möglichkeiten, sich selbst und die Kommunikation zum Konstruktiven zu wenden.

Anstatt auf eine rechthaberische Diskussion über vermeintliche Ursachen der Missstände einzusteigen, geht man den Fragen nach:

  • Was ist mein eigentliches Mitgestaltungsanliegen in dieser Gruppe?
  • Wo will ich hin?
  • Was ist das Gestaltungsanliegen der Gruppe, ihr Ziel?

Ihre Antwort auf diese Fragen können Sie z.B. als Wunsch in das Gruppengespräch einbringen: „Ich bin hier, weil ich mit euch zusammen bessere Lernorte für Kinder gestalten möchte (bzw. Genesungsorte für Erkrankte). Ich möchte mit euch darüber sprechen, wie diese aussehen können und was unsere Rolle darin ist.“

Die Frage nach dem Anliegen, auch Ziel, Wunsch oder Bedürfnis, bildet den Kern einer heuristischen Vorgehensweise: von der antizipierten Lösung her den Annäherungsweg gestalten.

Ein neuer Ziel-Fokus verändert die Kommunikation

Unter der Perspektive eines gewünschten antizipierten Lebensvollzugs, wie einem guten Leben für möglichst Alle, erscheinen die aktuellen Probleme und deren Lösung in einem ganz anderen Licht. Da stehen dann womöglich die Selbstwirksamkeit und Autonomie in natürlicher und soziokultureller Verbundenheit an der ersten Stelle der Motive. Wie können wir selbst wirksam werden zusammen mit unseren Mitmenschen und in Übereinstimmung mit der Natur? Welche Rollen kommen dabei kulturellen Institutionen und der Ökonomie zu, um das gute Leben möglichst Aller zu entfalten?

Konkret können wir in unseren Teams und anderen Gruppen unser Gestaltungsanliegen beispielsweise so äußern: „Ich würde in unserer Gruppe gerne über ein konkretes Projekt sprechen, das für Kinder neue Lernerfahrungen ermöglicht.“

Anliegen und Bedürfnisse kommunizieren

Je nach Gruppe und Kommunikationspartnerinnen kann es auch angebracht sein, noch direkter sein eigenes Bedürfnis in und für die Gruppe mitzuteilen, also z.B.: „Ich möchte meine Ideen für eine Schule der Zukunft mit Euch teilen.“ Oder „Ich wünsche mir, dass wir eine Runde dazu machen, wie jeder sich die Rolle von Patientinnen und Ärztinnen in einem zukünftigen Gesundheitswesen vorstellt.“ Oder: „Ich wünsche mir jetzt eine kurze Achtsamkeits-/Besinnungspause, in der jeder für sich nachspürt, was sein tiefes Anliegen an unsere gemeinsame Arbeit hier ist.

Wenn wir über unsere Gestaltungsanliegen und Bedürfnisse sprechen, befinden wir uns primär im motivationalen Kohärenzmodus. Anders ist es, wenn wir die Missstände fokussieren, anklagen und detektivisch analytische Ursachenforschungen betreiben – dann befinden wir uns im motivationalen Aversionsmodus. Im Kohärenzmodus können die positiv formulierten Anliegen bei den Kolleginnen Resonanz finden, diese zum Mit- und Weiterdenken anregen und ein kokreativer Gruppenprozess kann in Gang kommen.

Die „negativen“ Beobachtungen als Herausforderungen berücksichtigen

Die kritisch gesehene Realität findet erst dann Beachtung, wenn wir unser Gestaltungsanliegen gemeinsam visualisierend entfaltet haben. Dann können wir überlegen, wie wir uns zu den gegebenen Bedingungen und Top-down-Vorgaben im Bildungswesen, zur Ökonomisierung, Umweltzerstörung, Pathologisierung und Bürokratie im Gesundheitswesen, der Berichterstattung in den Medien usw. stellen wollen, um unsere Gestaltungsanliegen voranzubringen.

* Um den Geschlechtern in der Sprache halbwegs gerecht zu werden, ohne den Schreib- und 
Lesefluss zu sehr zu verkomplizieren, wird hier im Plural immer die weibliche Form verwendet, es
sei denn, es handelt sich ausschließlich um Männer, und im Singular entsprechend der bislang
üblichen Schreibweise die männliche Form, es sei denn, es handelt sich explizit um eine Frau.
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Was bedeutet kokreativ?

Kokreativ besagt, dass Neues in einem wechselseitigen Miteinander kreiert wird. Das was ich hier schreibe ist das Ergebnis eines längeren kokreativen Prozesses, in dem ich Gedanken von anderen aufgegriffen habe, mich habe inspirieren lassen, zusammen mit anderen Erfahrungen gemacht habe und dann an einem Punkt in diesem andauernden Prozess mich hinsetze und das momentane Ergebnis in Worte fasse. So gesehen ist jeder kreative Vorgang – wenn man genau hinschaut – ein kokreativer.

Wie können wir Kokreativität in der Gruppe fördern?

Im engeren Sinne verstehen wir kokreativ als gemeinsam kreativ bei gemeinsamer Intentionalität. Intentionalität wird verstanden als die Richtung von Intentionen/Absichten. Durch die gemeinsame Intentionalität von miteinander Kommunizierenden wird ein intentionaler Resonanzraum gebildet. Das bedeutet, dass die Beteiligten sich innerlich in einer passenden / kohärenten Motivation auf ein gemeinsames Ziel ausrichten. Das soll zu Beginn formuliert sein.

Das Ziel kann konkret sein oder noch sehr unbestimmt im Nebel liegen. In einem solchen Resonanzraum kann sich eine kokreative Kommunikation im Flow entfalten. Das bedeutet, dass jeder sich von anderen in seinem Denken anregen lässt, auf Gesagtes eingeht und weiter denkt zur Annäherung an das gemeinsame Ziel.

Definition: Kohärenzmotivation bezeichnet einen inneren Beweggrund, ein Grundbedürfnis, ein Streben immer wieder und/oder mehr Stimmigkeit zu erreichen. (s. Buch: „Motivation. Grundlegendes für ein gelingendes Leben“ von TD Petzold & A Henke)

Ziele müssen dabei positiv formuliert sein. Also z.B. anstatt „Die Umwelt soll nicht zerstört werden.“: „Ich möchte einen achtsamen und aufbauenden Umgang mit der Natur.“ Die Ziele sollen sowohl gefühlt als auch in der Formulierung nach passenden kreativen Lösungen streben, nach Stimmigkeit. Das wird unter Kohärenzzielen verstanden, die aus der Kohärenzmotivation entstehen. Es finden sich so im Prozesse Lösungen, die sich vorher keiner allein ausdenken konnte. Beiträge im kokreativen Gruppenprozess sollen dann eine solche Annäherung im Flow fördern und nicht hemmen. Sie sollen nicht Angst und Unsicherheit verbreiten, nicht aus dem Aversionsmodus kommen. Bedenken und Ängste sollen erst am Schluss des Gesprächs Beachtung finden, sonst könnten sie den kokreativen Prozess hemmen.

Diese Kokreativität im engeren Sinne soll die primäre Art und Weise der Kommunikation im kokreativen Kulturtreffen KKT sein. Damit soll eine Annäherung an stimmige Kohärenzziele ermöglicht, erleichtert und praktiziert werden.

Wie können Widersprüche kokreativ werden?

Im weiteren Sinne, aus einer Metaperspektive reflektiert, kann auch aus Widersprüchen Neues entstehen, wenn nicht einer unbedingt alleine Recht haben will. Dann kann man vom Widerspruch des anderen lernen, selbst wenn dieser aus einer Abwendungsmotivation im Aversionsmodus geäußert wird. So können Prozesse, die gegeneinander geführt werden, in einem dialektischen Sinne verstanden werden, wobei aus einer These und Antithese eine Synthese gebildet wird. Dabei bildet ein Widerspruch jeweils eine Herausforderung zur Weiterentwicklung beider Seiten und kann deswegen ggf. wichtig sein zur Entwicklung – solange er keine totale Überforderung ist.

Das Entstehen einer Synthese kann dann aus einer Metaperspektive als kokreativer Prozess gesehen werden – selbst wenn der Vorgang ohne eine gemeinsam gefühlte Intentionalität erfolgte und im Abwendungsmodus sogar Verletzung und Zerstörung beinhaltet hat (wie z.B. bei einer Revolution). Diese Art von Entwicklung findet statt, z.B. wenn Menschen mit Macht ihr früh, sozial geprägtes Interaktionsmuster im Aversionsmodus und frustrierten Appetenzmodus ausagieren im Glauben, damit Sicherheit, Macht und/oder Reichtum herzustellen. Widersprüche können kokreativ sein, wenn sie nicht vernichtend sind und letztlich vom Willen zur Synthese motiviert sind.

Dann braucht es, um zu einer konstruktiven Synthese zu gelangen, wieder eine gemeinsame Intentionalität zum Kooperieren für einen kokreativen Prozess im engeren Sinne. Diese kokreativen Prozesse in der Gruppe können geübt werden wie z.B. im Kokreativen KulturTreffen KKT. Dazu gibt es einfache und erprobte Regeln. In größeren Gruppen ist eine Moderation durch einen Flow-Meister angebracht (s. a. „Drei entscheidende Fragen – …“ S. 189; und Der Mensch, Heft 58 1-2019, S. 59).

Wie „Ansteckung“ bei unterschiedlichen Motivationen verläuft

Theodor Dierk Petzold

Vielen Dank noch mal an Dr. Herrmann, dem Vorsitzenden von KLUG e.V., der das hoffnungsvolle Thema der gesunden Ansteckung ins Salutogenese-Symposium am 18.2.23 eingebracht hat. Er führte an, dass es nur ca. 3,5% der Menschen braucht, um ggf. große Transformationen anzustoßen. Eine Teilnehmerin hatte darauf zu bedenken gegeben, dass es ja auch negative Ansteckung gäbe. Das hat mich veranlasst, dieses Thema differenzierter unter der Lupe der drei Grundmotivationen zu betrachten.

In allen drei Grundmotivationen gibt es „Ansteckung“:

  • Abwendungs- / Aversionsmotivation (Angst, Kampf oder Flucht, ‚Peitsche‘)
  • Annäherungs- / Appetenzmotivation (Lust, Belohnungen, ‚Zuckerbrot‘)
  • Kohärenzmotivation (Heiterkeit, Gelassenheit)

Angst kann sehr ansteckend sein (Abwendungs-/Aversionsmotivation).

Das hat auch einen Sinn. Wenn einer eine Gefahr wahrnimmt, besteht die Reaktion von vielen in der Nähe, dass sie auch weglaufen oder kämpfen – selbst wenn sie die Gefahr noch gar nicht wahrgenommen haben. So können sie auch ihr Leben retten, indem sie dem ersten so weit vertrauen, dass seine Angst einen Grund hatte und ihm folgen, um in Sicherheit zu kommen.

Wenn man merkt, dass die Gefahr gar nicht so groß oder eine Täuschung war, dass man also nicht hätte weglaufen oder schießen oder aufrüsten müssen, lernt man daraus: Dem glaube ich in Zukunft nicht mehr so leicht.

So ist es für jeden Menschen, jede Gesellschaft in jeder Generation ein neuer lebenslanger Lernprozess: Die aktuellen und vorhergesehenen Gefahren richtig einzuschätzen und angemessen zu reagieren. Wenn ich die Angst des anderen nicht ernst genug nehme, kann es sein, dass ich selbst Opfer dieser Bedrohung werde. Wenn ich mich aber zu leicht von Angst anstecken lasse und überreagiere, kann ich mich selbst in unnötigen Stress und in Gefahr bringen und je nach Reaktion auch andere gefährden.

Verlockende Ziele können ansteckend sein (Annäherungs-/Appetenzmotivation)

blankIm Annäherungs-/Appetenzmodus ist lautes Lachen wie auch lustgesteuerte Aufmerksamkeit ansteckend. Es hat den Sinn, dass man sich einem anschließt, der eine Nahrungsquelle geortet hat – auch wenn man sie selbst noch nicht wahrgenommen hat. Diese Ansteckung im Appetenzmodus erhöht die Wahrscheinlichkeit, verlockende Annäherungs-ziele zu erreichen. Sie ruft gelegentlich Neid hervor und führt zum Wetteifern um ein Lustobjekt, eine Belohnung und ggf. auch zu Gier und Kampf um attraktive Objekte und Ressourcen und/oder zu Eifersucht oder anderen Süchten.

Wie ansteckend ist Gelassenheit und Heiterkeit? (Kohärenzmotivation)

Die beiden genannten Ansteckungen entstehen meist schnell und halten auch nur für kurze Zeit. So wie das Ziel erreicht ist: die Gefahr abgewendet wurde oder verschwunden ist bzw. das attraktive Objekt vereinnahmt wurde, kommt es leicht zu Frustrationen und Konflikten bis hin zu Kämpfen untereinander. Womöglich hilft Gähnen, um innerlich aus diesen Hamsterrad-Modi auszusteigen und zur Ruhe zu kommen. Auch der Ruhemodus kann ansteckend sein.

Die Ansteckung im Kohärenzmodus erfolgt nicht über die Wahrnehmung einer Bedrohung oder der Erwartung einer Belohnung, sondern eher im Gefühl der Geborgenheit, oder im Einvernehmlich-Sein, eine intentionale Verbundenheit in Gelassenheit und Dankbarkeit, eine tiefe seelische Verbundenheit. Dazu gehören Emotionen, also Gefühle, die uns besonders bewegen, wie hier insbesondere Freude und Trauer. Wobei Trauer den Abschied von sinnlicher Verbindung begleitet und hin zu einem Bewusstsein einer tieferen und abstrakteren Verbundenheit leiten kann – bis hin zu Freudentränen. Auch innere Heiterkeit und Humor, ethische Werte und praktische Erfahrungen fairer Kooperation können uns im Kohärenzmodus anstecken. Der Kohärenzmodus ist auch ein Modus der Würde und Autonomie, die sich in der Tiefe wohl nicht manipulativ herstellen lässt, sondern eher durch Wahrhaftigkeit und Authentizität überträgt.

Wovon und wozu willst du dich anstecken lassen?

Womit und wozu möchtest du andere anstecken?

(Bildquelle: https://www.pinterest.de)

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Eine zukunftstaugliche Kultur kohärent gestalten!

Theodor Dierk Petzold

Viele reden von Wandel, Transformation, Great Reset oder der Bundeskanzler zuletzt von „großer Zeitenwende“.  Auch wenn die AutorInnen jeweils z.T. sehr unterschiedliche Vorgänge beschreiben und divergierende, häufig noch Abwendungs-Ziele haben: das Empfinden, dass sich grundsätzlich etwas ändert oder ändern muss, ist weit verbreitet. Wir – Menschen – wollen etwas verändern. Wir sind die agierenden Subjekte des Wandels, der „Zeitenwende“ und nicht ihre Opfer. Wir sind die Subjekte möglichst einer großen Erneuerung von unten her – bottom up!

Sicher ist es gut, an verantwortliche Personen in führenden Positionen Appelle zu richten – z.B. zum Frieden, zum achtsamen Umgang mit der Natur u.a.m. Aber wenn wir auf ein Handeln dieser Personen warten, geben wir unsere Mitgestaltungsmacht ab und erhöhen das Risiko, dass wieder einmal mehr vor allem die Interessen und Absichten der Reichen und Mächtigen umgesetzt werden.

Wir brauchen etwas anderes als „Kampf gegen … „

Aktuell findet die öffentliche Diskussion überwiegend im Abwendungs-/Aversionsmodus statt mit Verurteilung und mit Bestrafung wie „Peitsche“. Gelegentlich wird auch gelobt, als Belohnung für angeblich korrektes Verhalten als „Zuckerbrot“, um die Annäherungs-/Appetenzmotivation anzuregen. Die öffentliche Berichterstattung ist stark geprägt vom moralischen „Zuckerbrot und Peitsche“. Nur selten wird kreativ und aufbauend über sinnvolle Ziele im Sinne eines guten Lebens für Alle gesprochen oder geschrieben. Ein gutes Leben für möglichst Alle wird nur in kohärenter Kooperation untereinander und mit der Natur gelingen. Deshalb brauchen wir eine große Erneuerung mit Kohärenzmotiven.

Unser Beitrag hier zur großen Erneuerung

Unser Beitrag zu diesem transformativen Vorgang ist eine Erneuerung unseres Denkens über die Welt einschließlich uns Menschen. Im Anthropozän sind wir die Mitgestalterinnen durch faire Kooperation miteinander und mit der Umwelt.

Es geht darum, für diese Mitgestaltung als menschliche Kulturen als Hauptakteure jetzt Verantwortung zu übernehmen. Zu diesem Prozess der bewussten Mitverantwortungsübernahme für die „Mutter Erde“ ist eine Reflexion unserer Motivationen hilfreich oder sogar erforderlich. Unser Verhalten resultiert aus unserer Motivation. So ist unsere Zukunft das Ergebnis letztlich unserer Motivation, die in Wechselbeziehung zur Umwelt entsteht.

Der Motivation auf der Spur

Was motiviert uns in Wechselbeziehung in der Natur wie Biosphäre – als Individuum, als Gemeinschaft und als Kultur? Was ist heute im Anthropozän unsere Rolle bei der Mitgestaltung der Biosphäre?

Können wir unsere Motivation bewusst neu regulieren – als Individuum, Gemeinschaft und als Kultur? Damit unser Verhalten zukunftsfähig aufbauend und kohärent mit der Umwelt ist?

Was wollen wir kultivieren?

Durch die„kokreativen Kulturtreffen KKT“ gestalten wir die Zukunft aus unserer Kohärenzmotivation heraus ko-visionär und praktisch mit.

Beim KKT geht es um:

  • Finden, Benennen und Visualisieren: Gute kulturelle und globale Rahmenbedingungen für ein gutes Leben für möglichst alle in der Biosphäre
  • Austausch über Erfahrungen guter Praxis
  • Üben von Kommunikation im Kohärenzmodus

Die KKT finden jeweils am ersten Sonntagabend im Monat statt.

Immer wieder im Kohärenzmodus miteinander zu kommunizieren, bedeutet auf Stimmigkeit und Integration  in Bezug auf ein gutes Leben in der Biosphäre zu achten. Das innere Kriterium für den Kohärenzmodus ist Freude und Dankbarkeit. Freude und Dankbarkeit sind zwar nicht die einzigen aber die letztlich maßgeblichen Qualitäten, die wir in unseren Treffen immer wieder spüren wollen.

Das erste KKT findet am Sonntag, den 5. März von 20.00-21.30 Uhr online statt (kostenfrei) – anmelden hier oder per Mail an info@salutogenese-zentrum.de.

Wir freuen uns auf Sie / Dich!

Theodor Dierk Petzold

Wenn wir die Nachrichten von Umweltzerstörung, Korruption, Krieg und anderem lebensfeindlichen Verhalten lesen, entsteht der Eindruck, dass Menschen überwiegend antisozial, gierig und zerstörerisch motiviert sind. Angeblich reagieren Menschen nur auf „Zuckerbrot“ und „Peitsche“, also entweder auf Belohnung oder auf Bedrohung. Was sagen neue Erkenntnisse der Neuropsychologie dazu? Sind Menschen primär zum Überleben motiviert oder zu einem guten Leben in ihrer Umwelt? Sind wir vor allem und letztlich individuell egoistisch motiviert oder haben wir eine primäre Motivation zum Kooperieren – zum Mitgestalten?

Laut Geo-WissenschaftlerInnen haben wir das Zeitalter des Anthropozän, des vom Menschen geprägten Erdzeitalters begonnen. Welche Motivation und welche daraus folgende Ziele prägen diese begonnene Zukunft?

Was motiviert dich –  nachhaltig? Was ist dir langfristig bedeutsam?

Neurowissenschaftliche Grundlagen

Bisher sind zwei Grundmotivationen wissenschaftlich anerkannt, die als tiefe motivationale Einstellungen das Verhalten, Fühlen und Denken sowie den Stoffwechsel prägen. Das ist zum einen die lustorientierte, Dopamin gesteuerte Annäherungsmotivation, auch Appetenzmotivation genannt, die auf das „Zuckerbrot“, also die Belohnung reagiert. Es dient der Nahrungssuche und -aufnahme sowie Paarung – kann leider auch zum Suchtverhalten führen. Zum anderen ist das die Abwendungsmotivation, auch Vermeidungs- oder Aversionsmotivation genannt, die auf Gefahren wie auf die „Peitsche“, also die Bestrafung reagiert und für Sicherheit sorgen soll.

Es versetzt den gesamten Organismus samt Fühlen und Denken in einen erhöhten Spannungsmodus zum Abwenden. Ein anhaltender Stressmodus führt häufig zur Entstehung von chronischen Erkrankungen. Diese Abwendungsmotivation, die mit einem Gefühl von Angst und Unsicherheit verknüpft ist, spielt auch bei Kriegen die Hauptrolle.

Damit diese beiden Grundmotivationen überwiegend zur Sicherheit bzw. zum Aufbau des Lebens dienen, braucht es die übergeordnete Kohärenzmotivation, die das rechte Maß vorgibt und bei Bedarf die Aktivitäten zur Sicherheit/Kontrolle bzw. Aufbau/Lust anregt oder bremst. Diese regulatorische Fähigkeit ist besonders im Stirnhirn, im lateralen Präfrontalcortex LPFC repräsentiert.

Gibt es eine Motivation zum guten Leben mit der Umwelt?

Ganz gelassen kooperieren

Theodor Dierk Petzold und Anja Henke zeigen in ihrem neuen Buch „Motivation. Grundlegendes für ein gelingendes Leben“ die neuropsychologischen Grundlagen ebenso wie praktische Möglichkeiten zur Kultivierung der Kohärenzmotivation. Es ist eine gänzlich neue, integrierende und systemische Sicht auf die menschliche Motivation und Motivationspsychologie.

Das übergeordnete Kohärenzsystem ist mit dem Gefühl von Freude und Gelassenheit, von Stimmigkeit im Inneren und in äußeren Beziehungen verknüpft. Es ist die Motivation zu nachhaltigem Kooperieren auch mit der Natur. Während die Aversionsmotivation zu schnellen und vorübergehenden Kooperationen zur Gefahrenabwehr motiviert, hat die Kohärenzmotivation langfristige und positive Ziele, die die KooperationspartnerInnen intentional verbinden und zum Mitgestalten motivieren.

Diese drei Grundmotivationen bilden das grundlegende Bindeglied zwischen unseren Weltbeziehungen und unseren Körperfunktionen. Die Kohärenzmotivation lässt uns nach stimmiger Verbundenheit im Inneren wie im Äußeren mit Mitmenschen wie mit der Umwelt streben. Im Inneren suchen wir eine „vertikale“ Kohärenz, die mit Wohlbefinden und Gesundheit verknüpft ist. Im Äußeren streben wir jeweils nach „horizontaler“ Kohärenz, auch Zugehörigkeit, in unseren Lebensdimensionen wie unserer Familie, Kultur und global-geistig. Wenn wir zu sehr unserer Appetenz- und/oder Aversionsmotivation folgen und diese noch medial puschen, kann das Zerstören überwiegen. Die Zukunft der Menschheit ist die Folge ihrer Motivation.

Am 18.2.23 findet im Zentrum für Salutogenese ein Symposium zu diesem Thema statt. Das Programm können Sie hier herunterladen.

Theodor Dierk Petzold 

Herr Scholz, der neue Bundeskanzler, hat angekündigt, Generalmajor Breuer zum Chef des Corona-Krisenstabs zu ernennen. Als Afghanistan erfahrener, hochdekorierter Offizier soll er Deutschland zum Sieg über Corona führen.
Bislang war ich als Arzt – wie wohl auch viele meiner Kolleginnen (1) und andere Menschen – davon ausgegangen, dass der Umgang mit dem Covid-19-Virus eine ärztliche oder zumindest eine medizinische Aufgabe sei. Herr Scholz setzt mehr aufs Militärische. Mir geht es hier nicht darum, die neue Regierung zu kritisieren. Es geht mir darum zu reflektieren, was gerade Stand in der Medizin und dem Gesundheitswesen ist. Ist der erfolgreiche Umgang mit einer pandemischen Virus-Erkrankung tatsächlich eine Kriegsführung, wie es nicht selten formuliert wurde? (2) Ist „Kampf gegen Viren“ der ‚State of the Art‘ in der Medizin heute? Oder ist das eine Bankrotterklärung ärztlichen Denkens und Handelns? Was ist gut für unsere gesunde Entwicklung?

Denkweisen – Paradigma – in der Medizin und Gesellschaft
Die moderne Medizin führt schon mindestens seit 150 Jahren einen Kampf gegen Krankheiten und deren vermeintliche Ursachen. Das pathogenetische Denkmuster (=Paradigma) ist schon vor 50 Jahren von dem Psychoonkologen Lawrence LeShan in New York klar beschrieben worden (3): Die Krankheit diagnostizieren, dann eine Ursache finden und letztlich dies bekämpfen. Erst sekundär wird nach dem Menschen geschaut: Was ist aus ihm geworden, nachdem die Krankheit bekämpft wurde? Mit dieser Vorgehensweise wird nicht nur vielen Menschen geholfen, sondern auch viel Schaden angerichtet. In den USA sind die Kollateralschäden (sog. Nebenwirkungen) von medizinischen Therapien die dritthäufigste Todesursache (4). Wenn wir die Umweltschäden durch die moderne High-Tech-Medizin in die Kollateralschäden miteinbeziehen, sieht die Bilanz womöglich noch schlechter aus. Seit 2014 ist die Lebenserwartung in vielen großen Industrienationen rückläufig (5).
Angesichts der SARS-Erkrankung wurde der Feind, das Virus Covid-19, schnell von Virologen identifiziert und der Kampf im Labor geprobt. Für den Kampf gegen das Virus im Volk wurden von der Politik noch EpidemiologInnen und Mathematiker zur Beratung bei der Strategieplanung dazu geholt. Ärztinnen sollten dann in Kliniken den Kampf gegen das Virus in den Menschen weiterführen. Mit im Labor entwickelten Impfungen soll fortan das körpereigene Abwehrsystem auf das Virus programmiert werden. Epidemiologinnen und Mathematikerinnen stellten Hochrechnungen über die Verläufe der Infektionswellen und einen Kollaps der Krankenhäuser bzw. den Sieg über das Virus auf. Welche Rolle die Menschen selbst mit ihrem Immunsystem, ihrer Selbstfürsorge und ihre zweckmäßige Kooperation untereinander nach angemessener Aufklärung darin spielten, wurde in den Statistiken nicht transparent. Ihre eigenen Gesundheitsziele sowie ihre Fähigkeiten und anderen Ressourcen, ihre Ziele zu erreichen – ihre Gesundheitskompetenz – waren nicht gefragt. Die mathematischen Berechnungen, die schlimmst möglichen Katastrophenszenarien und die Kampfmaßnahmen der Regierung bestimmten und bestimmen immer noch die öffentliche Diskussion und machen Angst – anscheinend zum großen Teil gewollt.
„Ich fühle mich so, als würde ich in den Krieg geschickt – aber man nimmt mir jede Waffe weg.“ Dr. Christian Franz, Hausarzt, weil er zu wenig Impfdosen erhalten hat (Welt Nachrichtensender; 8.4.2021).
Eine Durchimpfung sei der einzige Weg, das Virus zu besiegen. Ich befürworte Impfungen, allerdings mit einer strengen Indikationsstellung und freiwillig, wie es für alle invasiven Interventionen in der Medizin erforderlich ist. Und es braucht eine kooperative Haltung der impfenden Ärztinnen: Eine Impfung ist kein Kampfinstrument gegen das Virus im Menschen. Die Impfung soll das Immunsystem des Geimpften derart anregen, dass es das Virus schneller erkennen und seinen Eintritt in Zellen verhindern und es womöglich isolieren kann. Unter Drohung kann eine dienliche Kooperation mit dem Patienten kaum zustande kommen.

Gesundheitsorientierte Kooperation
Leshan hat dieses Denkmuster nicht nur klar benannt und kritisiert, sondern auch konsequent salutogenetisch orientiert erneuert. Er ist primär der Frage nachgegangen, was gesund am Patienten ist und hat dann mit ihm gemeinsam geschaut, was dieser und ggf. auch die professionellen HelferInnen tun können, damit es ihm besser geht. In der Folge waren die Therapien erheblich erfolgreicher (s. FN 2). Es kam zu einer menschlich partnerschaftlichen Kooperation zwischen Therapeut und Patient, weil sie mit einer gemeinsamen Intentionalität gemeinsam am gleichen Ziel arbeiteten (vgl. Tomasello 2010 (6)). Können wir daraus etwas für den Umgang mit Covid-19 lernen?

Wie könnte ein salutogenetisch orientierter Umgang mit einer derartigen Bedrohung aussehen?
Zu Beginn einer derartigen viralen Bedrohungslage ist eine schnelle Aufklärung und Warnung der Menschen vor der möglichen Gefahr sicher angebracht. Also so, wie wir das im Februar/März 2020 im Ansatz erlebt haben, solange man noch nichts Genaueres wusste. Allerdings wäre schon da der Fokus einer salutogenen Gesundheitskommunikation ganz stark auf der Ermächtigung der Bürgerinnen gerichtet, darauf, was die Menschen selbst tun können, um Ansteckung zu vermeiden und ihr Immunsystem zu stärken. Dazu gehört außer Abstand halten und in Räumen Lüften und in engen Situationen Masken tragen, mit Sicherheit Bewegung an der frischen Luft. Es ist zum ersten entscheidend, dass Menschen nicht derart mit dem Virus kooperieren, dass sie ihm die Möglichkeit geben, von einem zum nächsten zu kommen. Zum anderen ist das Immunsystem des Menschen wichtig, das das Virus an der Vermehrung im Körper hindert.

In vier Wochen von einer Inzidenz von fast 10.000 auf Null
Dabei ist das Verhalten ganz entscheidend für den Verlauf der Verbreitung des Virus. Freunde berichteten mir von einem Dorf mit etwa 500 Einwohnerinnen im Oktober 2021, von denen ein im Vergleich mit dem Bundesdurchschnitt vermutlich relativ hoher Anteil der unter 65-Jährigen nicht geimpft war. Dort gab es eine Welle mit einer 7-Tage-Inzidenz von fast 10.000 auf das Dorf berechnet. Nach dem Schreck verhielten sich alle kooperativ angemessen vorsichtig, sodass innerhalb von vier Wochen die Inzidenz schon wieder bei null war. Wenn das Virus keinen Überträger und keinen Wirt findet, zerfällt es – ganz ohne Kampf. Nicht mit dem Virus zu kooperieren bedeutet, mit Menschen überwiegend auf Distanz zu kommunizieren. Das ist sicher für einige eine große Herausforderung – besonders für jüngere Menschen. Sie brauchen verständnisvolle Unterstützung dabei. Aber in einsichtsvoller gemeinschaftlicher Kooperation kann diese anscheinend gut gemeistert werden. Menschen sind außer mit einem physischen Immunsystem anscheinend auch mit einem antiinfektiösen sozialen Verhaltensmuster ausgestattet, das durch zutreffende ggf. auch verbale Information aktiviert werden kann – analog wie das physische Immunsystem durch biomolekulare Information aktiviert wird.

Mehrdimensionale Zusammenhänge von gesunder Entwicklung und Krankheitsentstehung
In einer salutogenetisch orientierten Medizin sehen wir eine Erkrankung in einem komplexen Entwicklungszusammenhang des Menschen, in seinen physisch-sozio-kulturell-global-geistigen Beziehungen, in seiner mehrdimensionalen Selbstregulation. Dann erscheint z.B. die Corona-Pandemie vielmehr als eine „Syndemie“, wie R. Horton (7), der Chefherausgeber von Lancet sie nennt, also ein verbreitetes synergistisches Zusammenwirken von pathogenen Faktoren: Viren, genetische Disposition, Vorerkrankungen, Lebensstil, sozial-ökonomische Bedingungen, soziale Verhaltensweisen, politische Maßnahmen und womöglich noch globale Umweltzerstörung führen zusammen zu schweren Erkrankungen. Ebenso und noch mehr entwickeln Menschen sich in diesen mehrdimensionalen Zusammenhängen gesund (s. Ottawa-Charta 1986).
In diesem mehrdimensionalen Verstehen kooperieren wir als Gesundheitsprofis mit den Menschen in ihrem individuellen, sozialen, ökonomischen und kulturellen wie auch global-geistigen Streben nach gesunder Entwicklung. Wir teilen unser Wissen und hören den Menschen zu, was ihnen bedeutsam in Bezug auf Gesundheit und Corona ist. Damit stärken wir ihre Autonomie, wie sie in der Genfer Deklaration 2017 vom Weltärztebund (8) zurecht ganz obenan gestellt wird. Wir gehen auf ihre Ziele, Bedürfnisse und Ressourcen ein, suchen eine gemeinsame Intentionalität, klären die Rollen in der Kooperation und helfen den Partnerinnen, wenn sie ihren Job nicht so machen können, wie geplant (9).
In einer solchen ärztlich therapeutischen Herangehensweise gibt es keinen Krieg gegen Corona (10), sondern eine Kooperation zur gesunden Entwicklung, zum gemeinsamen Lernen im Umgang mit Infektionsgefahren und zur Stärkung und Ermächtigung der Individuen und Gemeinschaften und auch der Nation, Kultur und der ganzen Menschheit. Da kann es auch Impfungen geben, wenn der Nutzen und das Risiko gut abgewogen sind. Da gibt es leider auch hier und da Schmerz und Leid durch die Erkrankungen aber keine bzw. wenig selbst verursachte Kollateralschäden.

[1] Um den Geschlechtern in der Sprache halbwegs gerecht zu werden, ohne den Schreib- und Lesefluss zu sehr zu verkomplizieren, verwende ich im Weiteren im Singular entsprechend der bislang üblichen Schreibweise die männliche Form, es sei denn, es handelt sich explizit um eine Frau, und im Plural immer die weibliche Form, es sei denn, es handelt sich ausschließlich um Männer.

[2] „Sars-CoV-2 ist unser gemeinsamer Feind. Wir müssen diesem Virus den Krieg erklären. Das bedeutet, dass die Länder die Verantwortung haben, mehr zu tun, sich zu rüsten und sich zu verstärken.“ (António Guterres in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung, 15.03.2020)

[3] LeShan L, Büntig W (2010), Die Melodie des eigenen Lebens finden. Interview auf DVD. Müllheim: Auditorium.

[4] Ärzteblatt (2016) https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/66550/US-Studie-Medizinische-Irrtuemer-dritthaeufigste-Todesursache (Abruf 10.05.2021).

[5] Ho J Y, Hendi A S (2018) Recent trends in life expectancy across high income countries: retrospective observational study. In:  BMJ 2018;362:k2562 | doi: 10.1136/bmj.k2562. Moody’s Analytics (2019), The economic consequences of millennial health 6.11.2019 Health of America. https://www.bcbs.com/sites/default/files/file-attachments/health-of-america-report/HOA-Moodys-Millennial-10-30.pdf  (abgerufen 10.11.2020).

[6] Tomasello M (2010), Warum wir kooperieren. Berlin: Suhrkamp.

[7] Horton, Richard: COVID-19 is not a pandemic. richard.horton@lancet.com  http://www.thelancet.com Vol 396 September 26, 2020; S. 874 (R. Horton ist Herausgeber (editor-in-chief) von Lancet)

[8] Vgl. a. Ottawa-Charta der WHO von 1986 und Genfer Deklaration des Weltärztebundes 2018;

[9] S. Kriterien menschlicher Kooperation bei: Tomasello M, Hamann K (2012), Kooperation bei Kleinkindern. https://www.mpg.de/4658054/Kooperation_bei_Kleinkindern. (Abruf 10.02.2016). s.a. Petzold TD (2021a) Drei entscheidende Fragen – Salutogene Kommunikation zur gesunden Entwicklung. Und (2021b) Schöpferisch kommunizieren – Aufbruch in eine neue Dimension des Denkens. Bad Gandersheim: Verlag Gesunde Entwicklung.

[10] S.a. Petzold TD: https://gesunde-entwicklung.com/globale-ethik-zur-kooperation/

Mona Siegel (Ko-Initiatorin und Teilnehmerin)

Eine Erkundungsreise liegt hinter uns – sechs Monate in denen wir gemeinsam – immer wieder aufs Neue – der C-Krise mit salutogenetischer Orientierung begegnet sind. Prozessbegleitet von Theodor Dierk Petzold haben wir allerhand hilfreiche und ermutigende Erfahrungen machen können. Nun am Ende unserer Reise haben wir diese, unter dem Titel Ins Vertrauen finden konzeptioniert: Eine Lernreise in sechs Schritten, die von geschulten SalKom®-AbsolventInnen angeboten werden kann. Das Ziel: Die Angst an die Hand nehmen und sich zum Lebendigen hin öffnen – trotz der Angst und Unsicherheit dem Leben vertrauen. Vertrauen – ein so geläufiges Wort mit unendlich vielen Facetten, wie der Beginn unserer Reise (s. 1. Etappe) das eindrücklich zeigt. Jede(r) Einzelne trägt sowohl sein je eigenes Verständnis von Vertrauen mit sich, als auch seine/ihre je eigenen Vertrauensquellen.

INS VERTRAUEN FINDEN
Warum ist Vertrauen als zentrale Gemütsverfassung so elementar? Das Verharren in der Angst hält den Stress erzeugenden Abwendungsmodus aktiv und führt uns immer noch mehr in die Enge (Angst, lat. angustus = Enge). Im Vertrauen sind wir positiv gestimmt und zu aufbauendem Verhalten motiviert. Finden wir darüber hinaus noch zu Gelassenheit, können wir unsere (persönliche) Stimmigkeit befragen und ihr folgen – die bestmögliche Ausrichtung auf gesunde Entwicklung.

INS VERTRAUEN FINDEN
Was braucht es dafür? Es braucht den offenen Austausch: Empathisches Zuhören und Gesagtes stehen lassen. Vor allem dann, wenn sich aufgrund von Befremdlichem und Andersartigem Widerspruch meldet: Keine Diskussionen – nur Fragen zum Verständnis. Was dabei u.U. entstehen könnte, wäre ein Gefühl der Allverbundenheit in der Diversität – Brücken bauen anstatt Grenzen ziehen! Es ist diese Qualität des Austausches, die dem Wunsch nach Fortsetzung der gemeinschaftlich aufbauenden Erfahrungen zugrunde liegt: sich vertrauensvoll mitteilen und im So-miteinander-Sein zu je eigenen stimmigen Entscheidungen finden – jenseits von richtig oder falsch!

Also werden wir uns weiterhin treffen. Zunächst wollen wir noch einmal bei der C-Krise bleiben und uns fragen: Was hat die C-Krise bei mir bewirkt und was bewirkt sie ggf. weiterhin? Auf mehrfachen Wunsch soll dabei auch die spirituell-universelle Dimension der Krisenerfahrung Raum haben – die Frage nach dem (etwaigen) Sinn, gegebenenfalls auch als geistige Ressource!? In einer ersten Diskussion, was denn überhaupt unter dem Begriff der Spiritualität zu verstehen sei, wurden bereits die auseinanderstrebenden Kräfte dieser Dimension erkennbar! Und wahrscheinlich ist es kein Zufall, dass der Wunsch, sich darüber austauschen zu wollen, erst nach einer vertrauensbildenden Phase von sechs Monaten artikuliert werden konnte. Umso mehr gilt: Zuhören und Gesagtes stehen lassen (s.o.).

Damit wollen wir unsere Erkundungen mit Fokus auf die C-Krise abschließen und im 8-Wochen-Rhythmus mit dem Salutogenic Reflecting Team (SRT) fortsetzen. SRT ist eine Methode der Supervision, bei der die Kompetenzen aller Beteiligten angeregt werden, sich entfalten und weiterentwickeln können und zur ko-kreativen Wirkung kommen. Die verallgemeinerte Frage hierfür lautet: Was könnte dem betroffenen Subjekt (dem Klienten) bzw. dem Meta-Subjekt (der Gruppe, der Gesellschaft, der Biosphäre etc.) guttun? Eine dem entsprechende chaostheoretische Vorstellung geht davon aus, dass die entwicklungsfördernde Lösung in einer informativen metaphysischen Wirklichkeit (als Attraktor/Attraktiva) bereits existiert und im schöpferischen Gruppenprozess Gestalt annehmen kann (vgl. KoRa, in: DER MENSCH 58/2019 Resonanzen). Sowohl Fälle wie auch Themen (aus Politik, Gesellschaft, Bildung etc.) können zum Gegenstand werden. Das Ziel: Die weitergehende Professionalisierung von SalKom® (im Sinne eines Qualitäts-Entwicklungszirkels) sein. Das Wesentliche: Von der Lösung her denken und Offenheit für Experimentelles und Unerwartetes.


Man muss noch Chaos in sich haben,
um einen tanzenden Stern gebären zu können

(aus F. Nietzsche: Also sprach Zarathustra)

Was TeilnehmerInnen auf diese Frage antworteten:

Für mich stellen die Meetingtermine eine feste Größe dar, die mir in dieser Pandemie-Zeit eine psychische Stabilität geben. Hier kann ich vertrauen, so sein wie ich bin, meine Positionen überprüfen und mich ggf. neu ausrichten. … . Ein neuer Möglichkeitsraum hat sich aufgetan, sich zu vernetzen, auszutauschen, dabei meine Autonomie wahren und die Autonomie der Anderen wahren. Überprüfen des eigenen Standpunktes um sich wieder neu zur Mitte hin auszurichten (Sowohl-als-Auch). Gelernt habe ich weiterhin, dass alles was in dieser Gruppe als kokreativer Prozess entstanden ist, einzigartig ist. Jeder Gruppenprozess durchläuft seinen einzigarig kokreativen Prozess.

Die gemeinsame Reflexion hat mir, insbesondere meinem Herzen gut getan. … Vertrauen, Hoffnung und den eigenen Weg mitzugestalten, wird positiv angeregt. … Mehr Menschen könnten mit den erarbeiteten Fragen in ihre seelische Gesundheit möglicherweise zurück finden.

Wie ein Schneeball- Effekt…von dort geht’s in die Familie, zum Arbeitsplatz, in den Freundeskreis.

Eine neue Art der salutogenen, vertrauensvollen Kommunikation könnte beginnen. Wie ein Stein, der im Wasser Kreise zieht, könnten mehr Kreise sich berühren.

Ein liebevolleres Miteinander kann wachsen.

Das in Kontaktgehen und im Kontaktbleiben mit relevanten Menschen ist für meine persönliche Entwicklung und Zufriedenheit sowie für das Gemeinwohl essentiell. Insbesondere in anspruchsvollen Situationen: Wie gehen Menschen bei Angst mit unterschiedlichen Meinungen / Haltungen / Klarheiten um?

Die Meetings haben mein Denken und meine Perspektiven erweitert.

Insgesamt fühlt sich mein Sein durch den Austausch in dieser außergewöhnlichen Zeit, mit vielen Fragezeichen und extrem unterschiedlichen Aussagen, weicher an.

Insbesondere das Meeting „Visionen“ führte bei mir dazu, dass ich in Wiederholung Visionen in mir erscheinen lies. Hierzu war ich mit Sandra in Kontakt. Dies hat den Vorgang noch verstärkt. Dieses Thema sehe ich als ausbaufähig an. Visionen erzeugen Vertrauen (Glaube – Liebe – Hoffnung).

Ich versuche tunlichst die Extreme zu vermeiden. Menschen, die in extreme Haltungen gehen, möchte ich mit Respekt begegnen, allerdings erlaube ich mir inzwischen auf eine gesunde Distanz zu gehen.

Es wird immer wieder mal vorkommen, dass ich den Bereich Harmonie/Stimmigkeit verlassen werde. Mein Anliegen ist, dieses Verlassen unmittelbar zu spüren, damit ich durch mein Dazutun wieder in eine mögliche Stimmigkeit komme.

Als Einstimmung diente die (zusammengefassten) Ergebnisse der 2. Etappe in Form einer geleiteten Imagination mit dem Leitsatz: „Stell dir vor in 20 Jahren, du bist die Veränderung, die du für dich und die Welt wünschst.“

Im Anschluss an die Imagination erfolgte der Austausch zur Frage „Was willst und kannst du tun, um dich deiner Vision anzunähern?“. Nachfolgend findest Du die ANTWORTEN DER TEILNEHMERINNEN:

In Beziehung zu Menschen treten ist mir ganz wichtig, zu mir selber, zur Natur alles hat Platz, das hat etwas wie Offenheit. Ich sehe mich dadurch als Suchende nach einer liebenden Haltung. Diese Erkenntnisse sind für mich durch alle diese Ebenen hindurch gegangen.

Mein kurzfristiges Nahziel: ich wünsche mir, dass ich mit der Technik besser klarkomme. Ich kann mir eine Vertiefung vorstellen vielleicht auch mit einer Gruppe. In Vorbereitung auf heute war in mir -das Ziel des Pariser Abkommen- , diese Ziele 2041 übertroffen zu haben.
Die Herausforderung ist, daß mir bewusst wird was ich fühle und möchte, für mich, meine Lieben und die Menschheit das was andere auch möchten. Mich beschleicht oft der Zweifel wie sich unsere Werte entwickeln und geliebt wird und was andere Menschen für Werte haben, anders ist als ich denke dass das schön wäre. Oft sind in Diskussion die materiellen Werte, an was messen wir uns?

Mein Lernprozess: Wie kann ich trotz Abwendungsimpulsen innerlich wieder in einen Annäherungs- und auch Kohärenzmodus kommen? … Am meisten hat mich die Selbstsorge angesprochen: dass ich meine Kohärenz spüre, bewahre und zugleich weiterentwickele – und damit auf mein Umfeld ausstrahle. Diese Selbstwirksamkeit ist mir wichtig. Ich möchte mein nahes Umfeld neu gestalten. In meinem jetzigen Umfeld ist das Vertrauen weitgehend zerstört. … . Ich möchte mich auf die Sachen konzentrieren, die ich noch beeinflussen kann. Ein neues, selbst gestaltetes Umfeld ist im Moment das Projekt, das ich stark angehe. Eine andere, laufende Sache, mit der ich vielleicht auch in die Kultur hinein wirken kann, will ich vorher noch abschließen. … Vor allem Natur ist unglaublich wichtig geworden, aber auch das Universelle, das über das Globale hinaus geht, selbst über die Biosphäre, die ja auch mit der Erde verbunden ist. Das ist eine Dimension, mit der ich immer wieder in eine stimmige Resonanz gehen kann. Ich bin noch am Üben, wie das noch besser gelingen könnte. Das ist eine positive Erfahrung, die ich im Moment mache und die mir sehr hilfreich ist.

Die Selbstfürsorge begleitet mich seit Jahren und sie wird mich bis zum letzten Atemzug beschäftigen. Die Natur, ich bin viel in der Natur, ich bin kurz nach fünf aufgestanden und hab Kartoffeln in die Erde hinein gelegt, die Kartoffeln müssen hinaus und ich habe eine Kraft bekommen, die Verbindung mit der Natur und dem Universum. Was möchte ich noch tun? Aufräumen in mir, schauen was stimmt nicht, wo bin ich noch mit jemanden im Knatsch, wo kann ich mich noch versöhnen.

Ich studiere im dritten Semester Soziale Arbeit. Ich hatte schon vor Corona diverse Visionen, was ich gerne erreichen möchte für die Welt. Mein Ziel ist in Frieden und Harmonie mit mir selbst und der Welt zu sein. Ich habe das Gefühl, dass diese Unruhen überall – auch in mir selbst- sind. Das hat mich motiviert eine Art „Weltsingen“ auf den Weg zu bringen…. Jeder kann mitmachen. Ich fand die Idee so schön, weil man beim Singen ja keine Angst empfinden kann und dann mal für einen Moment aus dem Angst Modus herauskommt…

Klarheiten schaffen: ich habe letztes Jahr mein Haus und meinen Garten aufgeräumt und entrümpelt, ich mache das jetzt noch mal intensiver als vorher und bin mir bewusster geworden- was brauche ich wirklich? … dass ich nur noch die Dinge in meinem Haus, in meinem Garten haben möchte, die mir Kraft bringen. Und mit dieser Kraft und aufgeräumt sein, trete ich im wahrsten Sinne vor die Tür…

In einer Mischung von Resignation und Trauer und unguten Gefühl geht es darum, dass man sich gegenseitig aufbaut zusammen Meditation macht, das wir gucken, was machen diese Nachrichten mit uns und wie können wir trotzdem in Frieden bleiben… Und die Verbindung mit der Natur , ist das was wirklich gut tut oder mit lieben Menschen das ist ne Sache, die helfen einem.

Morgen startet Studio S, steht für Stimmigkeit und Salutogenese & Sandra, ein online Studio, über stimmige Themen- zum Körper, die Salutogenese… ich habe Interviewpartner und bin seit Wochen beflügelt. Ich habe mir in den letzten Wochen und Monaten den Wunsch erfüllt, ich habe das Bedürfnis im kulturellen Bereich etwas beizutragen. … Ich versuche die Technik und die Natur zusammen zu bringen.

Ich sehe die Zukunft oft düster und angstvoll, vor allem im nahen mitmenschlichen Bereich. Das hat mich im letzten Jahr dazu bewogen mich mit Menschen zu verbinden, die so ähnlich denken salutogen denken und sich auch mit Nachhaltigkeit und Ressourcen Schonung beschäftigen und ich habe gestern Abend dazu eine Hypnosearbeit mit mir selbst gemacht, um in diese Ebenen zu kommen und ich kann das sehr gut über das Unterbewusstsein. In der Gedankenwelt fühle ich mich zu sehr gestört, auch durch meine Patient:innen und durch mein Umfeld. … durch die Natur, durch die Wasserfälle, das Wasser, das Licht, die Farben. Zurück auf der „Insel der Visionen“ gestaltet sich das neue Leben, die neuen Gedanken. Es entwickelt sich dort die neue, friedliche , kreative, liebende, spielerische, leichte, geistreiche Welt unter den dort lebenden sich Wohlgesinnten.

Für mich ist es gerade ´das Kleine`. Ich spüre, über meine eigene Wahrnehmung kann ich von mir selber Verbindungen herstellen. Es passieren mir gerade sehr interessante und auch lustige Sachen, zum Beispiel das Bedürfnis Pop Songs zu hören im Radio und dann tanze ich morgens zum Pop Song um den Tisch herum. Der Tag fängt dann schon ganz anders an. Ich bin auch Musikerin und jetzt singe ich für mich, ich singe gregorianische Psalmen. Das tu ich für mich. … Ich habe dabei eine unglaubliche Verbundenheit gespürt und genau das sollte Platz kriegen. … Da geht es mir auch um eine Stimmigkeit mit mir selber und meiner Wahrnehmung, meinen Ressourcen und dem Guten was ich in die Welt bringen möchte.

Das Vernetzen woanders und im Kopf frei zu sein etwas anderes zu denken an einem anderen Ort.

Ich fand es schön, dass es durch ein Gespräch mit meiner Tochter in der nächsten Generation weitergeht und welche offenen Türen sie erlebt hat und alle waren begeistert.

Je mehr ich in Kontakt mit mir bin, bin ich auch in Kontakt mit den anderen mit Menschen. Die Selbstfürsorge: ich gucke nachhaltig, was tut mir gut.

TeilnehmerInnen-Stimmen:

Meine Reflexion dazu: ich bin mutig, meiner inneren Stimme zu folgen und tue, was sich für mich stimmig anfühlt. Ich habe gelernt auf die ersten Impulse in mir zu achten und diesen zu folgen, durch die positive Erfahrung (gute Rückmeldungen, Feedback) wächst zum einen mein Mut mich noch mehr zu trauen und zum anderen erlebe ich, dass ich diesen ersten Impulsen noch mehr vertraue und ihnen mehr Gewichtung gebe. … Ein Wunsch an mich: Ich vertraue meiner Tat-, Schubkraft genauso wie meiner Ruhekraft…

Wie ich Selbstwirksamkeit entfalte: Ich sehe mich aufgrund meiner schriftlichen Kommunikationsfähigkeit und dem Wissen um die auf gesunde Entwicklung ausgerichtete Gesprächsführung als Vermittlerin:
* In der Online-Lehre zwischen Studierenden und Dozierenden
* Zwischen Mensch und Natur
* Selbstwirksamkeit erfahre ich auch im Austausch mit Gleichgesinnten.
* Was für mich aufgrund mangelnder Einsicht und mangels fachlichem Verständnisses z.Zt. nicht handhabbar erscheint, ist die Impfentscheidung. Ich tendiere inzwischen dazu, der Urteilsheuristik der Masse zu folgen, anstatt meiner inneren Stimme. Inzwischen kann ich aber auch nicht mehr differenzieren: Ist es meine Angst vor der Ungewissheit bzgl. der Impffolgen oder eine tatsächliche innere Unstimmigkeit? Was wäre eine vernünftige Entscheidung, mit der ich Verantwortung übernehme und auch in Zukunft gut leben kann?

• Ich finde es wichtig trotz Vorgaben und Einflüsse von „außen“ nach innen zu schauen: auf die eigene Stimmigkeit und auf das, was Vertrauen weckt.
• Das heißt: Autonom sein, bleiben und darum ringen. …
• Dazu gehört auch, nach dem zu schauen, was schon da ist → Ressourcen. …
• Wichtig ist mir, diese Kohärenz auch in der spirituellen Ebene kontinuierlich zu verankern. (Praktiken, Riten…)

Diverse kulturelle Systeme (Medien, Politiker, Institutionen etc.) verstärken seit rund anderthalb Jahren massiv ein Klima der Angst. Ihre Motive mögen unterschiedlich sein, im Effekt wird diese Angst aber dazu genutzt, um Kontrolle und Zwang in vielen Lebensbereichen durchzusetzen. … Um kulturell wirksam werden zu können, gilt es zunächst die Muster zu stoppen und die Angst zu distanzieren. Zwei Wege bieten sich dazu an: Reflexion (Realitätscheck) und Vertrauen. …
Zweitens nenne ich die politischen Maßnahmen, die ich als wirklich bedrohlich einschätzte, auch beim Namen, lasse mich also nicht von dem Framing einschüchtern. Eine Analogie ist vielleicht das Märchen vom Rumpelstilzchen: Der Dämon verliert seine Macht, als er bei seinem Namen genannt wird. Zugleich wurde es leichter, Möglichkeiten zu sehen, diesen Gefahren zu begegnen. …
Vertrauen entwickeln konnte ich allerdings durch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit – individuell, indem ich meine Ressourcen nutze, z.B. meine Analysefähigkeit, und kollektiv durch Austausch mit anderen Menschen. …
Letzteres (Kohärenzgefühl) kann ich auch stärken, indem ich im Sinne eines Reframings Geschehnisse aus einer anderen Perspektive betrachte und neu bewerte. Wir lernen am besten durch eigene Erfahrungen, die wir reflektieren. Ich habe in den letzten Monaten Einsichten gewonnen, die ich ohne diese Ereignisse nicht bekommen hätte. Im Sinne einer Bewusstseinsentwicklung als Lebens-Soll kann ich sie deshalb auch als ein Geschenk begreifen.

Wenn wir dankbar sind, geben wir der Angst weniger Raum! … Oft hilft mir eine einfache Frage: Wofür bin ich dankbar?
z. B.: In meinen Beziehungen von:
Mensch zu Mensch
Mensch zu Tier
Mensch zur Natur
Mensch zum Spirituellen
Ich kann Dankbarkeit empfinden für Vergangenes, selbst für herausfordernde, schwierige Zeiten
.

Ich praktiziere es verstärkt, bei meinen Begegnungen aus jedem Lebensbereich, bewusst andere Themen als Corona anzusprechen. Nach dem Motto: Es gibt auch noch etwas anderes in unserem Leben, das mindestens so wichtig ist.
Es hilft mir auch, mich ehrlich, aber auch offen für andere Meinungen zu äußern. Dabei versuche ich bei mir zu bleiben und den Respekt für mein Gegenüber und dessen Meinung zu behalten, ggf. auch explizit zu machen. Das gibt mir das Gefühl im Dialog bleiben zu können.
Es war auch wichtig für mich, zunächst für mich meine Position zur Impfung klar zu erfassen. Ich bin bereit diese zu Vertreten und auch ggf. die Konsequenzen zu tragen.
Je klarer ich für mich bin (in diesem Thema), um so unabhängiger fühle ich mich. Damit empfinde ich mich selbstmächtig.