… zum guten Leben

Der Praxis der drei entscheidenden Fragen liegt eine wissenschaftlich begründete Überzeugung zugrunde – ein Axiom des guten Lebens:
Menschen gestalten ihre Welt weitgehend mit. Jede und jeder, wir alle und gemeinsam gestalten unsere Innen- und Umwelten mit.

Die drei entscheidenden Fragen dienen dieser unserer Mitgestaltung des guten Lebens – jetzt mal ganz explizit gestellt. Sie regen immer wieder unsere drei Grundfähigkeiten zum guten Leben und die autonome Selbstregulation an. Diesen drei Fragen geht unsere Selbstregulation bei guter Funktion unbewusst ständig nach. Wenn diese mal ins Stocken geraten ist und Probleme wie Stress unlösbar und übermächtig erscheinen, kann das bewusste Fragen helfen.

1. Was ist mir bedeutsam?

Jeder kann wahrnehmen, was ihm bedeutsam ist. Dazu hat er ein positives kohärentes inneres Bild von seinem Leben. Dies ist für seine Wahrnehmung derart maßgeblich, dass er unterscheiden kann, was für ihn aufbauend, stimmig und gut ist, von dem, was potentiell bedrohlich ist. Aus unserem Wahrnehmen und Bewerten folgt die Motivation zum Handeln. So regt diese erste Frage auch die intrinsische Motivation an.

2. Was will und kann ich tun?

Jeder kann handeln und kooperieren, um a) sich seinen positiven Zielen anzunähern und b) Bedrohungen abzuwenden bzw. zu vermeiden oder c) gelassen in einer stimmigen Umgebung zu ruhen. Die zweite entscheidende Frage regt ein Besinnen auf die eigenen Fähigkeiten und andere Ressourcen an, um in die gewünschte bedeutsame Richtung aktiv zu werden.

3. Was will und kann ich lernen?

Jeder kann Erfahrungen reflektieren, Interaktionen mit seinen Umwelten verstehen und daraus lernen – um in Zukunft differenzierter wahrzunehmen und effektiver zu handeln usw.… Für viele Lernvorgänge werden die Lernziele und -ergebnisse häufig von der Kultur vorgegeben. In der gesunden Stimmigkeitsregulation geht es nun darum zu überprüfen, ob die vorgegebenen Lernziele auch den eigenen bedeutsamen Zielen entsprechen und ob die Lernziele helfen, das gute Leben auf der Erde zu meistern. Die Antworten auf diese Frage haben Auswirkungen auch auf unsere erste Grundfähigkeit, die Wahrnehmung.

Zur Anregung

Diese drei Fragen sind wirklich entscheidende Fragen, da sie Ihnen bei Ihren Entscheidungen helfen, sowohl bei kleinen alltäglichen als auch bei bedeutsameren mit weitreichenden Folgen. Aus unserer Sicht und Erfahrung verharren die meisten Probleme der Menschen, weil sie in irgendwelchen Zusammenhängen aufgehört haben, sich diese Fragen zu stellen oder sie ehrlich zu beantworten. Spätestens, wenn es Probleme gibt wie irgendeinen Stress, können Sie sich diese Fragen stellen und beantworten, um zu einer guten Lösung zu kommen.

Als erstes dürfen und sollten Sie sich fragen, was Ihnen bedeutsam ist. Diese Frage können Sie sich stellen, wenn Sie überlegen, wie Sie mit Ihrem Partner oder Ihren Kindern sprechen wollen, welches Buch oder welchen Film Sie als erstes lesen bzw. sehen wollen, was Sie arbeiten wollen, welche Reise Ihnen wirklich wichtig ist.

Diese Frage nach Ihrer tiefen Motivation hilft Ihnen immer wieder, sich mit Ihren wirklich bedeutsamen Bedürfnissen, Wünschen, Anliegen und sinnstiftenden Zielen zu verbinden – etwas Grundlegendes für ein stimmiges Leben.

Wenn Ihnen ihr attraktives Ziel klar ist, kommt die zweite Frage, nämlich: Was wollen und können Sie tun? Um Ihr Ziel zu erreichen bzw. sich diesem anzunähern, Ihr Bedürfnis zu befriedigen oder Ihr Anliegen umzusetzen? Welche Fähigkeiten und andere Ressourcen haben Sie? Welche brauchen Sie noch dazu? Mit wem wollen und können Sie dabei zusammenarbeiten?

Nachdem Sie aktiv geworden sind und womöglich mit anderen kommuniziert und kooperiert haben kommt das Bilanzieren und Reflektieren, die dritte Frage: Was wollen und können Sie lernen? Zum Beispiel haben Sie mit Freunden ein leckeres Menü zu Abend gegessen und konnten in der Nacht nicht gut schlafen, Ihr Bauch hat rumort und gedrückt und Sie haben heftig geschwitzt. Was wollen Sie daraus lernen: Nicht wieder mit den Freunden zusammen am Abend essen? Nicht so viel essen? Genauer schauen, ob sie etwas von dem Menü nicht vertragen haben? Wollen Sie zum Arzt gehen und Ihre Verdauungsorgane untersuchen lassen? So schwierig das schon sein mag, es ist noch einer der leichteren Fälle.

Zum Beispiel die Corona- oder die Umweltkrise: Was wollen Sie daraus lernen? Welche Verhaltensweisen und Regeln sind gut für Sie und womöglich für andere Menschen? Was ist in dieser Situation bedeutsam für Sie und die Menschheit? Wie viel individuelle Entscheidungsfreiheit und Verantwortung sind für Sie und andere Menschen angemessen? 

Was ist Ihnen mit Blick auf ein mögliches Sterben bedeutsam?  Was brauchen Sie und wir wirklich zum guten Leben?

Diese drei entscheidenden Fragen und ihre Beantwortung ermächtigen uns zu einer kompetenteren und autonomeren Mitgestaltung unseres Lebens, der Gesellschaft und der ganzen Biosphäre