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Bei der Frage nach dem guten Leben geht es nicht darum, eine klare Definition oder gar Norm zu finden. Das gute Leben ist eine attraktive Leitidee, ein inneres Idealbild, das sich verändern kann. Auf der einen Seite ist das Streben nach einem guten Leben schon Jahrtausende alt. Auf der anderen Seite tauchen die Begriffe in den letzten Jahren in Gesprächen und in Medien immer häufiger auf. Was bedeutet für dich ein gutes Leben? Was bedeutet mir ein gutes Leben? Was bedeutet ein gutes Leben für alle Menschen in der Biosphäre?

Das Ziel und der Weg sind eins

Ein gutes Leben ist ein Ideal vom Leben und gleichzeitig jeder Schritt auf dem Weg zu diesem Ideal. Das Ziel ist der Weg und der Weg ist das Ziel – diese alte Weisheit passt hier besonders gut. Jeder Schritt in Richtung des Ideals ist schon ein Stück gutes Leben – selbst wenn er einmal schmerzhaft sein sollte. Dann haben wir einen Anlass zum Lernen für unser gutes Leben. Die Motivation zum guten Leben für Alle in der Biosphäre verbindet uns intentional mit allen Menschen und der Biosphäre und fordert uns gleichzeitig ganz individuell heraus, nachzuspüren und nachzudenken, was ein gutes Leben in jedem Moment für ihn bedeutet.

Was ist dir bedeutsam? Was sind deine Bedürfnisse und Anliegen? Immer wieder dieser Frage nachzugehen und die Anliegen an passender Stelle Izu kommunizieren, ermöglicht mehr gemeinsames Lernen sowie ein bewusster gemeinsames gutes Leben.

Dabei gibt es nicht den einen richtigen Weg. Im Gegenteil: Es gibt so viele Annäherungsschritte, wie es Menschen gibt. Es gibt keine Norm vom guten Leben. Jede scheinbare Abweichung vom Weg des guten Lebens kann aus einer anderen Perspektive als ein Lernvorgang auf ebendiesem Weg gesehen werden – individuell, als Gemeinschaft, Kultur oder Menschheit.

Gutes Leben bedeutet, es mitzugestalten

Theodor W. Adorno hat in seiner Minima Moralia geschrieben: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Dem möchte ich widersprechen. Wir können und dürfen nicht auf angenehme äußere Bedingungen warten, auf ‚gutes Wetter‘. Auch, wenn Politikerinnen Krieg führen und uns dazu einspannen wollen, gibt es Schritte zur Annäherung an ein friedliches gutes Leben. Wir behalten die Verantwortung für unser gutes Leben auch „im falschen“ – selbst, wenn das Leben dann nicht derart gut möglich erscheint, wie wir es uns vorgestellt haben. Selbst bei Unterdrückung, Zwang, Ausbeutung und Verleumdung: Wenn unser Leben im Außen viel mit Verteidigung gegen Bedrohungen befasst ist, können wir das gute Leben doch im Inneren und Kleinen kultivieren. Dann bezieht sich das Mitgestalten des guten Lebens zunächst auf scheinbar kleine Dinge. Diese können auf längere Sicht auch größere Systeme verändern.

Jeder kann von jedem lernen

Wenn wir ein „gutes Leben für Alle“ anstreben, beinhaltet dies, dass wir uns mit anderen Menschen darüber austauschen, was ihnen ein gutes Leben bedeutet. Davon können wir Aspekte des guten Lebens lernen, die uns zuvor nicht präsent waren. Möglicherweise kann ein solcher Austausch Menschen helfen, immer neue Aspekte kennen zu lernen und alte, überholt geglaubte Aspekte neu zu integrieren. Das könnte zum Beispiel für ein einfaches Leben mit der Natur der Fall sein. Denn unsere lebendige Intelligenz und Motivation ist ursprünglich auf Kohärenz mit der Natur aus – als Menschheit mit der Biosphäre. Das ist die Grundlage der Evolution der Lebewesen und heute für uns Menschen eine ganz aktuelle und bewusste Erfordernis. Dabei kann womöglich ein Lernen von Umgangsweisen von Naturvölkern mit ihrer Umwelt hilfreich sein.

Ein gutes Leben gelingt kommunikativ kokreativ

Um ein stimmiges Leben zu leben, gestalten wir jeden Tag neu gut für uns und unsere Mitwelt – zusammen mit unseren Mitmenschen und der Natur und in Abstimmung mit diesen. Ein gutes Leben für Alle in der Biosphäre ist ein ständiger kommunikativer Abstimmungsvorgang zwischen den Menschen und mit der Natur. Für dieses Kokreieren spielt die passende, authentische Kommunikation unserer Anliegen eine wichtige Rolle (s. a. Kokreative KulturTreffen KKT). In dieser Kommunikation kommen implizite, intuitive und rationale, abgeleitete Anliegen und Gedanken zusammen. So entfaltet sich das gute Leben kokreativ in Übereinstimmung mit der Umwelt als ein evolutionärer Prozess (s. Kap. 4 u. 5 im Buch „Motivation. Grundlegendes für ein gelingendes Leben“.