Was bedeutet kokreativ?

Kokreativ besagt, dass Neues in einem wechselseitigen Miteinander kreiert wird. Das was ich hier schreibe ist das Ergebnis eines längeren kokreativen Prozesses, in dem ich Gedanken von anderen aufgegriffen habe, mich habe inspirieren lassen, zusammen mit anderen Erfahrungen gemacht habe und dann an einem Punkt in diesem andauernden Prozess mich hinsetze und das momentane Ergebnis in Worte fasse. So gesehen ist jeder kreative Vorgang – wenn man genau hinschaut – ein kokreativer.

Wie können wir Kokreativität in der Gruppe fördern?

Im engeren Sinne verstehen wir kokreativ als gemeinsam kreativ bei gemeinsamer Intentionalität. Intentionalität wird verstanden als die Richtung von Intentionen/Absichten. Durch die gemeinsame Intentionalität von miteinander Kommunizierenden wird ein intentionaler Resonanzraum gebildet. Das bedeutet, dass die Beteiligten sich innerlich in einer passenden / kohärenten Motivation auf ein gemeinsames Ziel ausrichten. Das soll zu Beginn formuliert sein.

Das Ziel kann konkret sein oder noch sehr unbestimmt im Nebel liegen. In einem solchen Resonanzraum kann sich eine kokreative Kommunikation im Flow entfalten. Das bedeutet, dass jeder sich von anderen in seinem Denken anregen lässt, auf Gesagtes eingeht und weiter denkt zur Annäherung an das gemeinsame Ziel.

Definition: Kohärenzmotivation bezeichnet einen inneren Beweggrund, ein Grundbedürfnis, ein Streben immer wieder und/oder mehr Stimmigkeit zu erreichen. (s. Buch: „Motivation. Grundlegendes für ein gelingendes Leben“ von TD Petzold & A Henke)

Ziele müssen dabei positiv formuliert sein. Also z.B. anstatt „Die Umwelt soll nicht zerstört werden.“: „Ich möchte einen achtsamen und aufbauenden Umgang mit der Natur.“ Die Ziele sollen sowohl gefühlt als auch in der Formulierung nach passenden kreativen Lösungen streben, nach Stimmigkeit. Das wird unter Kohärenzzielen verstanden, die aus der Kohärenzmotivation entstehen. Es finden sich so im Prozesse Lösungen, die sich vorher keiner allein ausdenken konnte. Beiträge im kokreativen Gruppenprozess sollen dann eine solche Annäherung im Flow fördern und nicht hemmen. Sie sollen nicht Angst und Unsicherheit verbreiten, nicht aus dem Aversionsmodus kommen. Bedenken und Ängste sollen erst am Schluss des Gesprächs Beachtung finden, sonst könnten sie den kokreativen Prozess hemmen.

Diese Kokreativität im engeren Sinne soll die primäre Art und Weise der Kommunikation im kokreativen Kulturtreffen KKT sein. Damit soll eine Annäherung an stimmige Kohärenzziele ermöglicht, erleichtert und praktiziert werden.

Wie können Widersprüche kokreativ werden?

Im weiteren Sinne, aus einer Metaperspektive reflektiert, kann auch aus Widersprüchen Neues entstehen, wenn nicht einer unbedingt alleine Recht haben will. Dann kann man vom Widerspruch des anderen lernen, selbst wenn dieser aus einer Abwendungsmotivation im Aversionsmodus geäußert wird. So können Prozesse, die gegeneinander geführt werden, in einem dialektischen Sinne verstanden werden, wobei aus einer These und Antithese eine Synthese gebildet wird. Dabei bildet ein Widerspruch jeweils eine Herausforderung zur Weiterentwicklung beider Seiten und kann deswegen ggf. wichtig sein zur Entwicklung – solange er keine totale Überforderung ist.

Das Entstehen einer Synthese kann dann aus einer Metaperspektive als kokreativer Prozess gesehen werden – selbst wenn der Vorgang ohne eine gemeinsam gefühlte Intentionalität erfolgte und im Abwendungsmodus sogar Verletzung und Zerstörung beinhaltet hat (wie z.B. bei einer Revolution). Diese Art von Entwicklung findet statt, z.B. wenn Menschen mit Macht ihr früh, sozial geprägtes Interaktionsmuster im Aversionsmodus und frustrierten Appetenzmodus ausagieren im Glauben, damit Sicherheit, Macht und/oder Reichtum herzustellen. Widersprüche können kokreativ sein, wenn sie nicht vernichtend sind und letztlich vom Willen zur Synthese motiviert sind.

Dann braucht es, um zu einer konstruktiven Synthese zu gelangen, wieder eine gemeinsame Intentionalität zum Kooperieren für einen kokreativen Prozess im engeren Sinne. Diese kokreativen Prozesse in der Gruppe können geübt werden wie z.B. im Kokreativen KulturTreffen KKT. Dazu gibt es einfache und erprobte Regeln. In größeren Gruppen ist eine Moderation durch einen Flow-Meister angebracht (s. a. „Drei entscheidende Fragen – …“ S. 189; und Der Mensch, Heft 58 1-2019, S. 59).

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